Jülich Bauwerke verschiedener Epochen

 

Festungsbauwerk „Napoleonischer Brückenkopf“

Der Jülicher Brückenkopf  ist das bedeutendste napoleonische Festungsbauwerk im Rheinland.

Jülich wurde im 1. Jh. vor Chr. als römische Strassenstation Juliacum an einer günstigen Verengung des damals schwer zu passierenden Rurtals gegründet und lag eine Tagesreise entfernt von Köln an der Römerstrasse in Richtung Maastricht bis nach Boulogne-sur-Mer an der Küste. Schon in der Römerzeit war die Überquerung der Rur bei Jülich – zuerst mit einer Furt, später mit einer Brücke – wichtig. Jülichs 2000-jährige Geschichte war insbesondere stets mit der Aufgabe verbunden, die strategisch bedeutende Brücke über die Rur zu sichern.

Der Brückenkopf gehört zum Kranz jener Festungsbauwerke, den napoleonische Truppen zu Beginn des 19. Jahrhunderts zur Verstärkung der Festungsstadt Jülich anlegten. Dabei schlossen sie auch die Stadtbefestigung und die Zitadelle aus dem 16. Jahrhundert ein.

Seit 1794 besetzt, 1801-1814 französisches Staatsgebiet, wurde Jülich (Juliers) als eine Hauptfestung an der Ostgrenze Frankreichs bedeutend verstärkt: ein Brückenkopf (erbaut 1799 - 1808) und das Fort Napoleon auf der Merscher Höhe (begonnen 1804, unvollendet) sollten der grösser gewordenen Geschützreichweite entgegenwirken. Kaiser Napoleon I. besichtigte die Bauarbeiten 1804 und 1811 und legte selbst den Grundstein auf der Merscher Höhe. Der mächtige, zur Landesgartenschau 1998 restaurierte Brückenkopf ist 800 m lang und 300 m breit. Das Kronwerk hat durchgehende  Kasematten und aufgesetzte gedeckte Geschützstände.
 

Bilder anklicken für Grossformat
 

   

Weitere Bilder im Fotoalbum  Brückenkopf Jülich
 

Darstellung Jülichs vor der ersten Belagerung. Bezeichnung der Bastionen: I. Zitadellenbastion Wilhelmus, II. Zitadellenbastion Maria Anna, III. Zitadellenbastion St. Salvator, IV. Zitadellenbastion St. Johannes, 1. Stadtbastion St. Sebastianus, 2. Stadtbastion St. Eleonore, 3. Stadtbastion St. Jakob, 4. Stadtbastion St. Franziskus. Bezeichnung der Tore: A. Kölntor, B. Bongardpforte, C. Aachener Tor oder Rurtor (noch in alter Position), D. Dürener Tor

 

Die Schlossfestung Zitadelle

Anfang des 16. Jh. boten mittelalterliche Stadtmauern keinen Schutz mehr gegen die neuentwickelten Pulvergeschütze. Diese schossen Breschen in die zu schwachen, senkrechten Mauern, fanden aber zur Verteidigung keinen Aufstellungsraum auf den schmalen Mauerkronen. Zudem erschwerte die konvexe Form der Mauerringe das Beschiessen des Angreifers direkt vor der Befestigung. Die Antwort war die ingenieurmässig auf Schusslinien gestaltete, "bastionierte" Befestigung mit polygonalem Grundriss, pfeilförmigen Bastionen und geraden Wällen, die eine Rundumverteidigung ohne "tote Winkel" erlaubte. In Italien entwickelt, wurde sie ab 1545 in Deutschland erstmals mit der Stadtbefestigung in Jülich durch Alessandro Pasqualini unter Herzog Wilhelm V. konsequent verwirklicht: sowohl neuzeitliche Wehranlage als auch - mit der Zitadelle und dem herzoglichen Residenzschloss - Beginn und gleichzeitig Höhepunkt der italienischen Renaissance im Rheinland.

Hauptbauwerk der Jülicher Festung war die fast quadratische Zitadelle. Ab 1548 im Norden der Stadt zusammen mit dieser in einem Zeitraum von etwa 35 Jahren erbaut, ist ihre Grundfläche mit 9 Hektar nur wenig kleiner als die pasqualinische Altstadt. Ihre Seitenlänge zwischen den äusseren Wallgrabenecken beträgt 360 - 380 m, die Wallstärke 35 - 43 m, die Grabenbreite 33 m. Die Festungsmauer hat eine gestreckte Länge von 2,2 km und eine Höhe von 12,5 m. Die Wälle und Bastionen wie auch die weitläufigen Kasematten und Tunnel sind bei Führungen teilweise zugänglich.

 

 

Wall und Graben

Von der Stadt aus betritt man die Zitadelle über die 1993 in moderner Technik über den Resten alter Brückenpfeiler errichtete Pasqualini-Brücke und das Südtor (Tortunnel). Ein Blick nach rechts und links macht das Verteidigungskonzept deutlich: In den Kanonenhöfen hinter den zurückgezogenen Flanken der Bastionen standen Geschütze, für die jeder Angreifer, auch der vor der gegenüberliegenden Bastion, erreichbar war. Der Graben zwischen den Wällen bzw. Bastionen und der Kontramauer konnte bis zum Rand des Natursteinsockels geflutet werden. Von Norden her ist die Zitadelle über den 1860 aufgeschütteten Damm und das Nordtor zugänglich
 

 

         

 

Die Bastionen

Mit Geschützen hinter den Brustwehren auf den Wällen und den Bastionen konnten Feinde und Rebellen schon im ursprünglich freien, später befestigten Vorfeld vor den Gräben bekämpft werden. Die Bastion St. Johannes ist über eine Rampe und einen Tunnel (Poterne) zu erreichen (nur bei Führungen). Sie bietet einen Ausblick von der oberen Verteidigungsebene auf den südlichen Wall und die gegenüberliegende Bastion mit ihren Kanonenhöfen sowie auf die Stadt; im Zentrum der Bastion ein vorzüglich restauriertes Pulvermagazin aus napoleonischer Zeit, das für die museale Präsentation der Zitadelle genutzt wird.
 

 
 

Das Schloss

Inmitten der Zitadelle, durch zwei geschlossene, reich geschmückte Ehrenhöfe im Süden und Norden mit den beiden Torbereichen in den Wällen verbunden, stand - mit 73 m Seitenlänge - das vierflügelige, herzogliche Residenzschloss; das Schulgebäude des Gymnasiums wurde um 1970 auf dessen erhaltenem Kellergeschoss mit seinen sehr eindrucksvollen Tonnengewölben errichtet. Annähernd historisch getreu restauriert sind die Fassaden des - auf den ersten Blick völlig symmetrisch wirkenden - Ostflügels, und der architekturhistorisch besonders wertvollen Schlosskapelle sowie des Nordflügels bis zum originalen, schon manieristische Elemente enthaltenden Renaissanceportal (Nordportal) zum Schlosshof.

 
 

Die Schlosskapelle

Die Schlosskapelle hat zu beträchtlichen Teilen die Kriegseinwirkung überdauert. Der Bauschmuck zeigt aussen wie innen italienische Renaissanceformen nach Vorbildern der römischen Dombauschule von St. Peter in der Zeit Bramantes und Raffaels als Dombaumeister. Gegenüber dem Chorraum befand sich die Empore für das Herzogspaar; entsprechend reich sind Architektur und Dekor auf das Obergeschoss konzentriert. Als nur in Jülich erhaltenes kunst- und architekturgeschichtliches Baudenkmal einzigartig ist Pasqualinis doppelte Säulenstellung im Obergeschoss der Apsis mit dem Mittelstützenmotiv, das innen vier bei aussen nur drei Fensteröffnungen bietet. Herzog Wilhelms V. Haltung in den Glaubensstreitigkeiten seiner Zeit war zurückhaltend und den politischen Überlegungen untergeordnet. Seine Töchter - nicht aber seine Söhne - liess er im neuen Glauben erziehen und verheiratete sie mit evangelischen Fürsten (Philipp von Pfalz-Neuburg, Albrecht Herzog in Preussen).


 

   

weitere Bilder im Fotoalbum Zitadelle Jülich
 

 

Bauwerke verschiedener Epochen

Markt, Altes Rathaus

Als repräsentativer Mittelpunkt des Idealstadtgrundrisses wurde ab 1546 von Pasqualini ein neuer Marktplatz in der bis heute bewahrten Lage und Grösse im Gebiet des ehemaligen Römerkastells geplant und angelegt.

Das Alte Rathaus wurde 1953 nach Plänen des Aachener Professors René von Schöfer an der Stelle des kriegszerstörten, barocken Gebäudes von 1781 wiedererrichtet. Es beherbergt seit der kommunalen Neugliederung 1972 nur noch einige Abteilungen der Stadtverwaltung.
 

       


Die Propsteikirche

Römische Mauerreste unter der Propsteikirche (erste urkundliche Erwähnung 945) und deren Ausrichtung nach dem spätrömischen Kastellgrundriss weisen auf ihr hohes Alter. Sie war wohl ein Anbau an die Kastellmauer, auf deren Resten die Wände von Langschiff und Sakristei stehen. Die Kirche war Zentrum des Dekanats Jülich, das im 13. Jahrhundert 71 Kirchen im Jülicher, Dürener, Eschweiler und Geilenkirchener Land sowie in Aachen-Burtscheid umfasste. Aus dem 12. Jh. stammt Jülichs ältestes erhaltenes Baudenkmal - die drei unteren, reich ausgebauten Turmgeschosse mit romanischem Portal, Turmhalle und Bogen zum Langhaus. Sehenswert ist auch die Michaelskapelle, der romanische Kuppelraum mit Klostergewölbe im Obergeschoss. Die übrigen Teile des Turms wurden nach schwerer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg neu errichtet. Neben dem linken Seiteneingang ist die Schmalseite eines eingemauerten römischen Weihealtars sichtbar, zu erkennen ist ein Füllhorn mit Pinienzapfen, Früchten und Blume. Der mit Reliefs reich geschmückte Marienbrunnen wurde 1998 auf dem Kirchplatz, ehemals katholischer Friedhof, errichtet.

   

   


Römische Fernstrasse und Kastell

Im 1. Jahrhundert verlief - aus Richtung Römerstrassss - schräg über den heutigen Marktplatz, etwa 3 m unter dem jetzigen Niveau, die römische Fernstrasse Köln - Jülich - Maastricht - Boulogne-sur-Mer an der Kanalküste (durch graue Natursteinstreifen angedeutet). Am alten Rathaus querte sie ein Sumpfgebiet oder Bachbett und verlief weiter unter der Kleinen Rurstrasse und dem Hexenturm entlang zum Rurübergang. An dieser Achse entstand durch Ausbau der römischen Raststation - auf einer hochwasserfreien, bis nahe an die Rur reichenden Landzunge des Talrandes - die zivile Siedlung (vicus) Juliacum.

   
Ein besonderes Gefühl, mitten auf der ehemaligen Römerstrasse einen Kaffee zu trinken
 

Der Schwanenteich, Neues Rathaus

Ausserhalb des früheren Festungsgürtels liegt der Schwanenteich, einst Fischweiher und Pferdetränke inmitten von Wiesen zum Wäschebleichen. Das Neue Rathaus wurde 1952 an der Stelle des zerstörten preussischen Kreisständehauses (Landratsamt) errichtet als Sitz der Verwaltung des 1972 aufgelösten Landkreises Jülich. Seit der kommunalen Neugliederung beherbergt es den Rat der Stadt Jülich und Teile der Stadtverwaltung. Neben dem Neuen Rathaus befinden sich noch Teile der 1860 gesprengten Stadtbastion St. Eleonore; im Garten davor zeugt noch ein kleiner Teich vom ehemaligen Festungsgraben.

 


Die Bastion St. Jakob

Die St.-Jakob-Bastion ist die einzige noch teilweise zugängliche Bastion der pasqualinischen Stadtbefestigung; oberirdisch zwar nur ein Hügel mit einigen seitlichen Mauern, aber mit komplett erhaltenen Kasematten im Untergrund. Diese werden von einem Geschäft genutzt und sind so in dessen Öffnungszeiten allgemein zugänglich. Die fünfeckige Stadtbefestigung hatte an vier Ecken solche - untereinander mit 8 m hohen und bis zu 22 m starken, geraden Festungswällen verbundenen - Bastionen, die fünfte Ecke bildete die Zitadelle. Die übrigen Stadtbastionen hiessen St. Eleonore, St. Sebastianus und St. Franziskus.
 

Das Aachener Tor

Rest eines Tores der bastionierten Stadtbefestigung mit erhaltener, ca. 115 m langer Wallmauer (zur Bastion St. Jakob) vor teilweise verfülltem, ehemals 4,5 m tiefem und 30 m breitem Graben; 1548 vollendet, ist es das erste Renaissance-Stadttor im Rheinland. Nur der äussere Torbogen ist noch vorhanden, das Torhaus mit dem inneren Bogen wurde 1860 niedergelegt. Durch das enge Aachener Tor wickelte sich bis dahin der gesamte Personen- und Warenverkehr nach Westen ab.

    


Der Hexenturm

Stadttor (Rurtor) der mittelalterlichen Stadtmauer Jülichs, von der auch noch ein kleines Mauerstück im Hofbereich  zwischen Stiftsherrenstrasse und Poststrasse erhalten ist. Erbaut Anfang des 14. Jh. nach der Einnahme und Zerstörung Jülichs durch den Kölner Erzbischof Siegfried 1278, bei der sich die älteren Befestigungen als unzureichend erwiesen hatten; Mauerstärke bis zu 2,30 m.  Am Nordturm vor dem Ansatz der 1,70 m starken Stadtmauer ein Aborterker. Der Hexenturm hatte vier Verteidigungsebenen, einschliesslich des ursprünglich flachen, zinnenbewehrten Daches. Die jetzige Dachform stammt aus dem 17. Jahrhundert. Nach Abbruch der Stadtmauer zu Beginn der Neuzeit Nutzung als Gefängnis und Folterstätte des Haupt- und Criminalgerichts des Herzogtums.

 

   
 

Synagoge und Gedenktafel

Der Strassenname "An der Synagoge" und eine Gedenktafel dort erinnern an die Jülicher Synagoge, die 1938 von Nationalsozialisten geschändet und 1944 durch Kriegseinwirkung zerstört wurde (erbaut 1862). Die älteste Nachricht über eine Synagoge in Jülich stammt aus dem Jahr 1348; der erste Hinweis auf Juden im Jülicher Land ist das dem Jülicher Grafen Wilhelm IV. 1226 von König Heinrich VII. verliehene Judenprivileg (Genehmigung der Schutzgewährung gegen einträgliche Gebühren) Der alte jüdische Friedhof (von 1816-1941 genutzt) liegt an der Aachener Strasse.

  


Die Evangelische Kirche

1950 nach schweren Kriegsschäden wiedererrichteter Bau der Christuskirche aus dem Jahre 1910 (Neobarock und Jugendstil). Erstmals werden reformierte Christen im Raum Jülich 1577 erwähnt; ab 1610 gibt es eine lutherische und eine reformierte Gemeinde. Nach der Besetzung Jülichs durch spanische Truppen wird 1628 beiden ihr Gotteshaus wieder genommen, erst der Religionsvergleich von 1677 gestattet ihnen wieder, "vor der Stadt" eine Kirche zu bauen. Das Portal des Kirchbaus von 1745 dient jetzt als Tor zum früheren, um 1620 angelegten evangelischen Friedhof an der Linnicher Strasse.

  

weitere Bilder im Fotoalbum Jülich

tolle Videos über Jülich