Mein Zuhause in der goldenen Meile in Remagen hat zwei Gesichter

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Als Goldene Meile wird die zwischen Bad Breisig und Remagen liegende Ebene links des Rheins bezeichnet. Die Bezeichnung „golden“ rührt von der Fruchtbarkeit des Bodens in diesem Bereich her.

Der wunderschön angelegte Campingplatz liegt direkt neben den Überresten der zu Weltruhm gelangten Brücke von Remagen. Vom ADAC-Campingführer wird der Platz seit 1993 für herausragende Ergebnisse bei den Inspektionen ausgezeichnet und gehört jeweils zu den »Besten des Jahres«  Ich werde hier nicht nur den Komfort des Platzes geniessen sondern in Ehrfurcht und grossem Respekt auch der Geschichte dieses Platzes gedenken. Genau auf diesen Wiesen, wo mir heute jeder Komfort geboten wird, waren Ende des Krieges über 250‘000 deutsche Soldaten unter schlechtesten Bedingungen interniert.   

Obwohl hier hochsommerliche Temperaturen herrschen läuft mir beim Lesen  des Buches von Rolf Palm „Die Brücke von Remagen“ ein kalter Schauer über den Rücken. Dieses Buch ist ein ebenso spannend wie nachdenklich stimmendes Zeitdokument. Aufgrund von Augenzeugenberichten aller noch lebenden Beteiligten sowie bislang unausgewerteter Dokumente aus deutschen wie alliierten Archiven ist es Rolf Palm gelungen, die tragischen Ereignisse dieser letzten Kriegstage wirklichkeitsnah zu schildern.

Bis Anfang März 1945 wurden die Bewohner von Remagen, eines der schönsten Orte am Rhein, vom Krieg weitgehend verschont.  Doch fünf Minuten vor zwölf brach der Feuersturm über sie herein….

Die Brücke von Remagen

Die Brücke von Remagen,  ursprünglich Ludendorff-Brücke,  wurde während des Ersten Weltkrieges auf Drängen der deutschen Generalität erbaut, um mehr Truppen und Kriegsmaterial an die Westfront bringen zu können. Da es sich bei der Brücke um ein militärisch wichtiges Bauwerk handelte, wurden beide Seiten der Brücke mit den noch heute erhaltenen, festungsartigen Brückenköpfen ausgestattet.  Diese Türme sind mit Schiessscharten, Truppenunterkünften für die Brückenbesatzungen und Vorratslagern ausgestattet.

Sie war 325 m lang, ihre lichte Höhe über dem normalen Wasserstand des Rheines betrug 14,80 m und der höchste Punkt des Bogens betrug 29,25 m.  Die Brücke trug zwei Eisenbahngleise und einen Fussgängersteg. Sie ähnelte in Bauweise und Funktion der ebenfalls aus militärstrategischen Gründen von 1913 bis 1915 erbauten „Hindenburgbrücke“, die den Rhein zwischen Rüdesheim am Rhein und Bingen-Kempten überspannte und ebenfalls im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.

Die Eroberung der Brücke

Am 7. März 1945 gelang es einer kleinen Vorhut der 9. US-Panzerdivision unter Führung des deutsch-stämmigen Leutnants Karl H. Timmermann, die Brücke zu erobern, nachdem den deutschen Verteidigern zwei Sprengversuche fehlgeschlagen waren.   Diese Eroberung ging als das „Wunder von Remagen" in die Annalen der Kriegsgeschichte ein.  General Eisenhower soll ausgerufen haben: „Die Brücke ist ihr Gewicht in Gold wert". Es war die einzige noch intakte Brücke über den Rhein.

 

Die deutsche Heeresleitung versuchte verzweifelt, in den folgenden Tagen die Brücke durch Bombenangriffe und Kampfschwimmer zum Einsturz zu bringen.  Hitler setzte in ohnmächtigem Zorn ein Schnellgericht ein, das fünf Offiziere zum Tode verurteilte und vier von ihnen im Westerwald erschiessen liess. Am 17. März stürzte die schwer beschädigte Brücke ein und riss 28 amerikanische Soldaten in den Tod. (Bild eine m Rhen gefundene 1000 Kilo Bombe)

Das Kriegsgefangenenlager Goldene Meile

Negative Bekanntheit erlangte dieser Abschnitt des Rheintals durch das Kriegsgefangenenlager Goldene Meile, in dem im Frühjahr 1945 deutsche Soldaten unter unsäglichen Bedingungen unter freiem Himmel gefangen gehalten wurden. An die Männer, die dort litten und starben erinnert die Kapelle Schwarze Madonna in Remagen.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs legten die amerikanischen Truppen längs des Rheins Gefangenenlager für deutsche Soldaten an. Bei der Eroberung des Rheinlandes gerieten 250.000 deutsche Soldaten in Kriegsgefangenschaft, nach der Zerschlagung des Ruhrkessels kamen weitere 325.000 hinzu. Ab Mitte April 1945 wurden rund 660.000 Deutsche  in diesen Lagern gefangen gehalten. Die Amerikaner - selbst von Versorgungsengpässen betroffen - sahen sich nach dem Zusammenbruch der Westfront in der Verpflichtung, neben den zwei Millionen eigenen Soldaten die deutschen Kriegsgefangenen unterzubringen und zu versorgen. Die „Rheinwiesenlager“ sollten als Durchgangslager für die provisorische Unterbringung der Gefangenen dienen. Die „Goldene Meile“ war eines dieser Lager.

Die Versorgung und Unterbringung der Gefangenen war miserabel. Es gab anfangs weder Holzbaracken oder Unterstände noch entsprechende hygienischen Einrichtungen. Nur wenige Gefangene durften eine Zeltbahn oder einen Mantel behalten. Die Übrigen waren den Unbilden des April-Wetters ausgeliefert. Mit primitiven Werkzeugen gruben sich einige Insassen Erdlöcher, in denen sie Schutz vor dem Regen suchten. Viele starben in den provisorischen Behausungen oder wurden lebendig begraben, wenn ihre Erdlöcher einstürzten.

Einmal täglich fand die Essensausgabe statt. Es war anfangs kaum genug zum Überleben. Erst nach Wochen besserte sich die Verpflegung der Gefangenen. Auch die Trinkwasserversorgung stellte zunächst ein Problem dar. Die Lagerinsassen mussten stundenlang anstehen, um etwas stark gechlortes Rheinwasser zu bekommen. (Bild: Essbesteck das von den Lagernsassen selber hergestellt wurde)

Am 11. Juli 1945 wurde das Lager von den Franzosen übernommen, die es schliesslich am 20. Juli auflösten. Viele der im Lager gebliebenen Gefangenen wurden in andere Lager oder nach Frankreich überführt und zum Teil erst ein bis zwei Jahre später entlassen. Während der Zeit, in der das Lager bestand, starben 1247 Insassen an der Ruhr, an Unterernährung und Erschöpfung. Darüber hinaus fielen einige bei dem Versuch zu fliehen den Waffen der Bewacher zum Opfer.

Kapelle Schwarze Madonna

Nach Eröffnung des Friedensmuseums 1980, in den Turmruinen der Brücke von Remagen, wandten sich viele ehemalige Kriegsgefangene an den damaligen Bürgermeister Hans Peter Kürten mit der Bitte, doch auch an ihr Schicksal zu erinnern. Kurze Zeit später erfuhr Kürten, dass im Kripper Pfarrhaus eine Madonnenfigur aufbewahrt wurde, die ein Lagerinsasse während jener Leidenszeit gestaltet hatte.  Aus ungebranntem Lehm geformt war sie mehrfach in Leinöl getränkt worden, um sie vor dem Zerbröckeln zu bewahren.  So hatte sie ihre dunkle Farbe und später den Namen „Schwarze Madonna" erhalten.

Bei dem Künstler handelt es sich um den 1969 pensionierten Leiter des Bildhauerateliers an der Essener Folkwang-Hochschule. 1977 starb Wamper. Durch die Veröffentlichung eines Bildes der "Schwarzen Madonna" wurde der Bruder des Künstlers, Hans Wamper, im April 1985 aufmerksam. Er bestätigte, dass sein Bruder Adolf die Heiligenfigur geformt habe.  Doch der Bildhauer war inzwischen schon verstorben.

An der Goethestraße von Remagen nach Kripp (Einmündung Südallee, gegenüber der neuen Fachhochschule) steht die Friedenskapelle "Schwarze Madonna" Remagen. Zusammen mit dem Ehrenfriedhof Bad Bodendorf, dem Friedensmuseum Brücke von Remagen und dem Mahnmal zur Erinnerung an die Gefangenenlager in der Goldenen Meile bildet sie einen Denkmalverbund zur Erinnerung an die Kriegs- und Nachkriegsereignisse des Frühjahrs 1945 in der Goldenen Meile. Die Kapelle soll insbesondere an das Kriegsgefangenenlager "Goldene Meile" erinnern. Nach oben hin schließt die Kapelle mit einem Dornenkranz ab; er erinnert an den Stacheldraht, um dem das Lager umzäunt war. Die Kapelle ist wie ein Zeltdach gebaut, durch das Wind und Regen hindurchfegen können - wie durch die notdürftig errichteten Erdlöcher der darbenden Kriegsgefangenen.

Bau, Einweihung und Finanzierung

Der Grundstein zum Bau der Erinnerungskapelle wurde am 22. Juni 1985 gelegt. Das zeltartige Bauwerk mit Kupferdach wurde am 9. Oktober 1987 feierlich eingeweiht. Mehr als 1200 Menschen, unter ihnen viele ehemalige Gefangene des Lagers Remagen aus dem In- und Ausland mit ihren Angehörigen, nahmen an der Feier teil. Das Leitmotiv der Einweihungsfeier hiess "Vergangene Fehler dürfen nicht wiederholt werden. Vergeltung ist keine Liebe und Hass kein Boden, auf dem der Friede gedeihen kann".

Die "Schwarze Madonna"

Die Schwarze Madonna mit dem Kind steht hinter Gitter wie damals die Gefangenen.

Vier einstige Lager-Insassen trugen bei der Einweihungsfeier die "Schwarze Madonna" auf ihren Schultern zu ihrem Bestimmungsort in der Kapelle. Zwischen April und Spätsommer 1945 war die Madonnen-Figur von dem Kriegsgefangenen Prof. Adolf Wamper (1901–1977) aus Lehmboden des Remagener Lagers modelliert worden. Aus Dankbarkeit für sein Überleben hatte er sie nach seiner Freilassung dem Kripper Pfarrer Wilhelm Keller übergeben. Pastor Keller hatte im Frühjahr 1945 Decken und Essen gesammelt, um die Not im Lager ein wenig zu lindern.